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Bischof Norbert Trelle hat Stefan Mispagel und Martin Tigges zu Priestern geweiht

Hildesheim (bph) Das Bistum Hildesheim hat zwei neue Priester! Bischof Norbert Trelle weihte am Samstag vor Pfingsten Stefan Mispagel (33) und Martin Tigges (35) in der Basilika St. Godehard, die während der Sanierung des Hildesheimer Doms Bischofskirche ist, zu Priestern. Ihre ersten Stellen als Kapläne treten Mispagel in Wolfsburg, St. Christophorus, und Tigges in Braunschweig, St. Aegidien, an.

Die Gesellschaft, aber auch die Kirche stecken in einer Glaubenskrise, bedauerte Bischof Norbert Trelle in seiner Predigt bei der Priesterweihe. Die Krise der Kirche komme vor allem von innen. Sie zeuge von einer Glaubenserosion. Trotzdem seien Stefan Mispagel und Martin Tigges bereit, ihr Leben in den Dienst der Kirche und an den Menschen zu stellen. Sie haben den Ruf Jesu gehört: „Komm!“ Eine radikale Entscheidung, die auch Angst machen kann, weiß der Bischof. Was hilft dann gegen die bohrenden Zweifel? Was gibt Sicherheit? Letztlich nur das Vertrauen auf Gott, glaubt Trelle. Gegen die Anfechtungen des Glaubens empfahl der Bischof seinen beiden Neupriestern den Blick auf Jesus zu richten, der seinen Jünger Petrus aus den Strudeln des Meeres gerettet hat. „Wer den Blick auf den Herrn richtet, der kann über Wasser gehen“, predigte Trelle mit Bezug auf das Evangelium.

Vor dem Weiheakt versprachen Mispagel und Tigges dem Bischof Ehelosigkeit und Gehorsam. Zum Zeichen ihrer Hingabe an Gott legten sie sich dann ausgestreckt auf den Boden. Beim Weiheakt legte der Bischof den beiden Männern die Hände auf und sprach das Weihegebet. Dies taten danach auch alle anderen Priester bei ihren neu geweihten Mitbrüdern zum Zeichen der Aufnahme in ihre Gemeinschaft. Mit der Weihe bekommen Mispagel und Tigges Anteil an den drei Grunddiensten der Kirche: das Evangelium zu verkünden, die Sakramente zu feiern und sich um die Hilfsbedürftigen zu kümmern.

Stefan Mispagel ist zusammen mit seinen zwei älteren Brüdern in Giesen aufgewachsen. Geboren wurde er im katholischen Bernwardskrankenhaus in der Bischofsstadt Hildesheim und legte hier an der Innerste am Bischöflichen Gymnasium Josephinum 1996 sein Abitur ab. Nach der Reifeprüfung blieb er zunächst in der Bischofsstadt und machte eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Dresdner Bank. 1998 begann er das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der privaten Universität Witten/Herdecke und schloss dies 2003 mit dem Diplom ab. Daraus hätte eine geradlinige Karriere in der freien Wirtschaft werden können – wurde es aber nicht. „Ich habe gespürt, dass das nicht alles sein konnte“, verrät Mispagel rückblickend. Den Wahlspruch seiner Universität „Zur Freiheit ermutigen, soziale Verantwortung fördern, nach Wahrheit streben“ nahm er wörtlich und gönnte sich im Jahre 2000 eine Auszeit von einem halben Jahr. In einer Missionsstation südlich von Madras in Indien arbeitete er gemeinsam mit einem Pfarrer an einem Schulprojekt der „Aktion Indien e.V.“, die Jahre zuvor von seinem Vater mitgegründet worden war. Sechs Monate, die ihn sehr beeindruckt haben und zu einer ungewöhnlichen Erkenntnis brachten: „Ich habe bei dem Missionspfarrer erleben dürfen, wie reich ein Leben sein kann, das in einem unbedingten Gottvertrauen und der Liebe zu Gott gründet.“ So folgte dem Wirtschaftsstudium ohne Umwege bis zum Herbst 2008 das Theologiestudium bei den Jesuiten von St. Georgen bei Frankfurt. Drei Semester seines Studiums verbrachte Mispagel in München, wo er insbesondere seine Liebe für die Liturgie entdeckte. Dort bewegte ihn vor allem die Frage, wie Gottesdienste gestaltet sein müssen, damit Kirchenferne sich angezogen fühlen. Das vergangene Jahr nach seiner Diakonenweihe hat Mispagel als Diakon in der Pfarrgemeinde St. Martin in Hannover verbracht.

Martin Tigges stammt aus dem Bistum Münster. Dort, in Epe bei Enschede an der holländischen Grenze, wuchs Tigges mit seiner älteren Schwester als Sohn „katholischer Sauerländer“ auf und war viele Jahre Jungkolping-Mitglied. Nach dem Abitur 1994 zog es ihn zum Studium der Ökonomie an die Universität Hannover. Bis 1998 studierte Tigges dieses Fach, doch glücklich war er mit seinem Studium da schon lange nicht mehr. Es folgten mehrere Jahre praktischer Arbeit im Bereich Marketing. Angestellt war er in dieser Zeit bei zwei Marketingagenturen und einem großen Nahrungsmittelhersteller. „Auf Dauer hat mich das aber auch nicht ausgefüllt“, sagt Tigges heute. Seine ehrenamtliche Mitarbeit in der katholischen Pfarrgemeinde Heilig Kreuz in Hannover-Altwarmbüchen – wo Tigges all die Jahre wohnte – gab seiner Suche dann eine neue Richtung. Bei der Arbeit mit der Firmgruppe spürte Tigges, dass dies sein Berufsweg werden könnte und das Vorbild des Pfarrers bestärkte ihn darin. So trat Martin Tigges 2003 ins Bischöfliche Priesterseminar ein und studierte bis zum Sommer 2008 Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule PTH St. Georgen in Frankfurt, denn inzwischen fühlte er sich dem Bistum Hildesheim stärker verbunden als dem Bistum Münster, da ihm die Pfarrgemeinde Heilig Kreuz zu einer neuen geistlichen Heimat geworden war. Zwei Semester hat Tigges zudem bei den Salesianern in Benediktbeuern studiert. Im vergangenen Jahr lebte und wirkte Tigges als Diakon in der Pfarrgemeinde St. Marien in Alfeld.